Zeiterfassungssoftware im Vergleich: die Kriterien, die wirklich zählen

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Zwei Personen am Tisch: eine hält eine ausgedruckte Checkliste, die andere stellt eine Frage. KI-generiert

Zeiterfassungssysteme unterscheiden sich weniger im Funktionsumfang als im Zuschnitt: Preismodell, Erfassungsarten, Tiefe der Auswertung, Exportformate, Rechtekonzept, Hosting-Standort und Aufwand der Einführung. Wer danach vergleicht statt nach Häkchenlisten, kommt in einer Stunde zu einer belastbaren Entscheidung.

Warum Funktionslisten nichts aussagen

Auf den Übersichtsseiten der Anbieter steht überall dasselbe: Zeiten erfassen, Projekte zuordnen, auswerten, exportieren. Das ist auch richtig – nur trennt es die Angebote nicht. Der Unterschied liegt darin, wie tief eine Funktion reicht, was sie kostet und wie viel Aufwand sie im Alltag macht.

Ein Beispiel: „Export nach Excel“ steht bei allen. Ob dabei eine Datei herauskommt, mit der die Lohnbuchhaltung sofort arbeiten kann – mit Dezimalstunden, Summen und einer Zeile je Tag – oder eine Rohdatenliste, die erst aufbereitet werden muss, steht nirgends. Solche Punkte klärt nur ein Test mit echten Daten.

Warum hier keine Anbietertabelle steht

Wir veröffentlichen keine Vergleichstabelle mit Namen und Preisen der Wettbewerber – aus zwei Gründen. Erstens wäre sie schnell falsch: Preise und Pakete ändern sich laufend, und eine Tabelle, die niemand wöchentlich pflegt, führt in die Irre. Zweitens ist eine überholte oder ungenaue Angabe über einen Mitbewerber unfair und rechtlich angreifbar.

Dazu kommt ein dritter Punkt, den man offen sagen sollte: Wir sind Partei. Eine Gegenüberstellung, die ein Anbieter über seine eigenen Wettbewerber schreibt, fällt am Ende immer zu seinen Gunsten aus – auch bei bester Absicht. Was wir stattdessen liefern können, ist der Maßstab: die Kriterien, mit denen Sie die aktuellen Angebote selbst prüfen, einschließlich unseres eigenen.

Die acht Kriterien

Diese acht Punkte entscheiden in der Praxis darüber, ob ein System zum Betrieb passt. Die Reihenfolge ist keine Rangfolge – welche Punkte schwer wiegen, hängt vom Betrieb ab.

Kriterien und die Frage, die dahintersteht
Kriterium Die eigentliche Frage
Preismodell Was zahlen wir, wenn das Team doppelt so groß ist?
Erfassungsarten Passt die Bedienung zu der Art, wie hier gearbeitet wird?
Auswertung Beantwortet sie die Fragen, die wir monatlich stellen?
Export Kann die Buchhaltung mit der Datei sofort arbeiten?
Rechte und Rollen Sieht jeder genau das, was er sehen soll?
Hosting und Datenschutz Wo liegen die Daten, gibt es einen AV-Vertrag?
Einführungsaufwand Wie viele Stunden kostet uns der Start?
Ausstieg Wie bekommen wir unsere Daten wieder heraus?

Das Preismodell zuerst

Das Preismodell ist der Punkt, der die Auswahl am schnellsten eingrenzt – und der sich am wenigsten nachträglich ändern lässt. Verbreitet ist die Abrechnung pro Nutzer und Monat mit üblicherweise 4 bis 8 € je Person. Daneben gibt es Staffelpreise und Pauschalmodelle für das gesamte Konto.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „Was kostet es?“, sondern „Was kostet es in zwei Jahren?“. Ein Betrieb, der von fünf auf fünfzehn Personen wächst, verdreifacht bei einem Pro-Nutzer-Tarif seine Kosten, ohne eine einzige zusätzliche Funktion zu bekommen. Die vollständige Rechnung samt der Posten, die im Listenpreis nicht auftauchen, steht in Was Zeiterfassungssoftware wirklich kostet.

Erfassungsarten und Alltagstauglichkeit

Es gibt drei Grundformen: die Stoppuhr, die während der Arbeit läuft, den Zeitraum von–bis und die reine Dauer. Ein System sollte die Form beherrschen, die zur Arbeitsweise passt – und idealerweise mehrere, weil in denselben Betrieben unterschiedlich gearbeitet wird.

Praktisch wichtiger als die Auswahl ist die Zahl der Klicks. Erfassung, die pro Tag zwei Minuten kostet, wird gemacht; Erfassung, die fünf Minuten kostet, wird auf Freitag verschoben – und was am Freitag entsteht, ist geschätzt, nicht erfasst. Prüfen Sie im Test deshalb den häufigsten Fall, nicht den kompliziertesten.

Zwei Fragen, die dabei oft untergehen: Lassen sich vergessene Zeiten nachtragen, ohne dass jemand etwas freischalten muss? Und funktioniert die Erfassung auf dem Gerät, das die Leute wirklich dabeihaben?

Auswertung und Export

Die Auswertung sollte die Fragen beantworten, die Sie monatlich tatsächlich stellen – meist: Wie viele Stunden hat jede Person geleistet, und wie verteilen sie sich auf Projekte oder Kunden. Alles andere ist angenehm, aber selten entscheidend.

Beim Export lohnt ein genauer Blick. Brauchbar ist eine Datei, die Dezimalstunden enthält, Summen bildet und je Tag eine Zeile hat. Erst dann arbeitet die Lohnbuchhaltung ohne Nacharbeit damit. Eine Schnittstelle zu DATEV oder einem Lohnprogramm ist bequem, aber für einen kleinen Betrieb selten die Investition wert – die exportierte Datei erfüllt denselben Zweck.

Hosting, Datenschutz und Ausstieg

Arbeitszeitdaten sind Daten über die eigenen Leute. Drei Punkte gehören deshalb ins Anbietergespräch: der Serverstandort, ein Auftragsverarbeitungsvertrag und eine klare Aussage dazu, was nach Vertragsende mit den Daten passiert.

Der Ausstieg wird bei der Auswahl fast nie geprüft und ist doch der Punkt, an dem es teuer wird. Fragen Sie konkret: In welchem Format bekomme ich meine Daten? Wie lange habe ich nach einer Kündigung Zugriff? Wird auf Verlangen gelöscht? Wer darauf keine klare Antwort bekommt, sollte das als Antwort werten.

Der Fragenkatalog fürs Anbietergespräch

Zehn Fragen, die sich in zwanzig Minuten stellen lassen und die Angebote schneller trennen als jede Funktionsliste. Schreiben Sie die Antworten mit – nach dem dritten Gespräch erinnert sich niemand mehr, wer was gesagt hat.

  1. Was kostet es bei doppelter Teamgröße?
  2. Zahle ich für angelegte oder für aktive Nutzer?
  3. Gibt es Einrichtungs-, Schulungs- oder Supportgebühren?
  4. Wie lange ist die Mindestlaufzeit, wie lang die Kündigungsfrist?
  5. Wo stehen die Server, und gibt es einen AV-Vertrag?
  6. In welchem Format bekomme ich meine Daten heraus?
  7. Wie lange sind alte Zeiträume auswertbar?
  8. Was passiert mit den Daten nach Vertragsende?
  9. Wie viele Stunden dauert die Einführung realistisch?
  10. Was kann das System ausdrücklich nicht?

Die letzte Frage ist die aufschlussreichste. Ein Anbieter, der darauf keine Antwort hat, hat entweder das eigene Produkt nicht durchdacht oder ist nicht bereit, offen zu antworten.

Welcher Zuschnitt zu welchem Betrieb passt

Grob lassen sich die Angebote in drei Gruppen einteilen. Keine davon ist besser – sie beantworten verschiedene Fragen, und der häufigste Fehler ist, ein System aus der falschen Gruppe zu kaufen.

Drei Zuschnitte im Überblick
Zuschnitt Passt zu Erkennbar an
Schlanke Zeiterfassung 2 bis 50 Personen ohne Personalabteilung Start ohne Onboarding, wenige Einstellungen
Personalmanagement-Suite Betriebe mit HR-Funktion, Urlaub und Schichten Module, Rollenkonzepte, Genehmigungswege
Branchen- oder ERP-Modul Betriebe, die bereits eine Branchensoftware nutzen Zeiterfassung als Teil eines größeren Systems

Wer bereits eine Branchensoftware im Einsatz hat, sollte zuerst dort nachsehen: Ein vorhandenes Modul, das mit den Stammdaten arbeitet, schlägt eine zusätzliche Insellösung fast immer – selbst wenn es einzeln betrachtet weniger kann.

Wo neunzeit steht

Der Vollständigkeit halber, mit denselben Kriterien: neunzeit gehört in die erste Gruppe – schlanke Zeiterfassung, 5 € im Monat, Server in Deutschland, Start ohne Onboarding.

Die falsche Wahl ist es, wenn Sie Schicht- oder Dienstplanung brauchen, Urlaub und Krankheit mitverwalten wollen, Sollzeiten und Arbeitszeitkonten führen, eine Lohnabrechnung oder eine Schnittstelle dorthin erwarten, mit Stundensätzen und Budgets kalkulieren oder Single Sign-on voraussetzen. Für all das gibt es passendere Systeme, und keines dieser Dinge steht auf unserer Liste.

Die richtige Wahl kann es sein, wenn ein Team von zwei bis fünfzig Personen Arbeits- und Projektzeiten dokumentieren und auswerten will, ohne dafür ein Personalsystem einzuführen – und wenn ein Preis, der nicht mit der Kopfzahl steigt, ein Argument ist. Die Zahlen dazu stehen auf der Preisseite.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich Zeiterfassungssysteme überhaupt?

Weniger im Funktionsumfang als im Zuschnitt: Preismodell, unterstützte Erfassungsarten, Tiefe der Auswertung, Exportformate, Rechte- und Rollenkonzept, Hosting-Standort, Umfang der Zusatzmodule und Aufwand der Einführung. Die reine Funktionsliste ist der am wenigsten aussagekräftige Vergleichsmaßstab.

Warum veröffentlichen Sie keine Vergleichstabelle mit Anbietern?

Weil sie innerhalb weniger Wochen falsch wäre. Preise, Pakete und Funktionsumfänge ändern sich laufend, und eine überholte Angabe über einen Mitbewerber ist unfair und rechtlich angreifbar. Sinnvoller ist ein Kriterienkatalog, mit dem Sie die aktuellen Angebote selbst prüfen.

Welche Fragen sollte ich einem Anbieter stellen?

Vier Fragen trennen die Angebote schnell: Was kostet es bei doppelter Teamgröße? Wo stehen die Server, und gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag? Wie bekomme ich meine Daten wieder heraus, wenn ich kündige? Und was kostet der Support, wenn etwas nicht funktioniert?

Wie wichtig ist eine mobile App?

Weniger wichtig, als sie beworben wird. Entscheidend ist, dass die Erfassung am Smartphone funktioniert – ob über eine installierte App oder über den Browser, merkt im Alltag niemand. Eine eigene App wird dort zum Argument, wo Erfassung offline möglich sein muss.

Woran erkenne ich, dass ein System zu groß für uns ist?

An der Einführung: Wenn ein Anbieter ein Onboarding-Projekt, eine Schulung oder eine Mindestvertragslaufzeit voraussetzt, ist das System auf größere Organisationen ausgelegt. Für einen Betrieb mit fünf Personen ist das kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Kostenfaktor.

Sollte ich auf Zertifikate wie ISO 27001 achten?

Wenn Sie in einer regulierten Branche arbeiten oder große Kunden mit eigenen Anforderungen haben: ja. Für einen Handwerksbetrieb oder eine Agentur sind Serverstandort, Auftragsverarbeitungsvertrag und ein funktionierender Datenexport die praktisch wichtigeren Punkte – danach fragt nur niemand auf der Website, sondern erst im Gespräch.

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